Resilienz für Führungskräfte
Leadership | Selbstführung
1. April 2022

Resilienz für Unternehmer*innen und Führungskräfte

Ja, die Zeiten sind stürmisch (und dabei dachten wir, es könnte kaum schlimmer werden). Eine Krise jagt die nächste, die Anforderungen steigen, Ergebnisse müssen immer schneller erbracht werden. Wie nur soll es gelingen, dabei entspannt zu bleiben – und geht das überhaupt?

Warum ist Resilienz für Führungskräfte erstrebenswert?

Resiliente Unternehmer*innen und Führungskräfte werden als gelassen, humorvoll, menschlich, selbstbewusst und zielorientiert beschrieben. Siehst auch du vor deinem inneren Auge einen Menschen, der in sich ruht und gleichzeitig ausstrahlt, der intelligent ist und zielorientiert, gleichzeitig aber fürsorglich auf andere eingeht? Genau das beschreibt Resilienz. Ziel der Resilienz ist es, gesünder mit Stress, Problemen und Kritik umzugehen – im Leben wie im Business. Dabei entstehen positive Effekte für das eigene Selbst, für das Unternehmen und das Team.

Der Begriff Resilienz

Das lateinische resilire bedeutet soviel wie zurückspringen, abprallen, nicht anhaften. Es ist die Anpassungsfähigkeit auf Probleme und Veränderungen. Resilient können nicht nur Menschen sein, sondern auch Ökosysteme, Organisationen, technische Systeme (und die Mundschleimhaut, aber das würde hier zu weit führen). So umfasst Resilienz einerseits die Kraft des Widerstands und andererseits die Fähigkeit zur Adaption. Ein weit verbreitetes Resilienzmodell sind die sieben Säulen der Resilienz nach Ursula Nuber.

Die 7 Säulen der Resilienz nach Ursula Nuber

  • Optimismus
  • Akzeptanz
  • Lösungsorientierung
  • Opferrolle verlassen
  • Verantwortung übernehmen
  • Netzwerkorientierung
  • Zukunftsplanung

Andere Modelle umfassen beispielsweise Unabhängigkeit, Beziehungen, Initiative, Kreativität, Humor, Moral und Einsicht. Da hier weniger eine wissenschaftliche Abhandlung im Fokus steht und mehr die praktische Relevanz, werden wir im Folgenden auf das Modell von Ursula Nuber eingehen.

Optimistische Führungskräfte

Die Führungsaufgaben können uns erschlagen, so viele Stakeholder, so viele Ansprüche. Die Ziele sind in weiter Ferne und der Tagesplan ist schon in der Frühstückspause (welche Pause?) hinfällig. Optimistische Führungskräfte glauben daran, dass Tiefschläge einen Sinn haben und konzentrieren sich auf die positiven Aspekte. Die rosarote Brille darf im Schrank bleiben, aber wir dürfen wieder öfter dankbar sein für all die schönen Dinge in der Führungsarbeit: ein nettes Feedback, eine gelungene Präsentation, ein inspirierendes Gespräch.

Akzeptanz in der Führungsarbeit

Nein, wir werden nicht alle Ziele erreichen. Und das liegt auch nicht immer in unseren Händen. Kunden, Lieferanten und auch Vorstände und Aufsichtsräte handeln nicht immer in unserem Sinn (die haben doch tatsächlich eine eigene Agenda!). Krisen entstehen auch ohne eigenes Zutun. Erst mit Akzeptanz kommen wir aus der Schockstarre und werden wieder mental flexibel. Deshalb akzeptiere die Dinge, die du nicht ändern kannst. Akzeptiere auch eigene Emotionen, wie Angst und Wut. Was Führungskräfte beeinflussen können, ist ihr Umgang mit der Situation. So kann auch der Verlauf von Krisen zumindest teilweise beeinflusst werden und negative Konsequenzen abgeschwächt werden.

Lösungsorientierung für Führungseffizienz

Ok, da haben wir also eine scheinbar ausweglose Situation. Der Kunde droht mit Abwanderung, der Lieferant meldet Schwierigkeiten, die Mitarbeiter sind unzufrieden. Wir stecken fest im „Weg von“ und finden den Zugang nicht zur „Hin zu“-Haltung. Dich die Vogel-Strauß-Taktik hilft da auch nicht weiter, denn die Probleme verschwinden nicht von alleine. Resiliente Führungskräfte suchen nach Möglichkeiten, nach Lösungen, nach Mitstreitern und Alternativen. Dabei hilft, sich von der Situation zu lösen und so zu tun, als ob wir einer befreunden Führungskraft einen Rat geben müssten. Wer, was, wie kann zur Lösung beitragen? Bei anderen erscheint uns die Lösung oft einfacher.

Führungskräfte sind keine Opfer

Es ist so einfach, in der Opferrolle zu versinken, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Wir erleben uns als passiv, als Empfänger von Ungerechtigkeit. Die Mitarbeiter sind alle unfähig, die Vorstände sind schuld an der Misere, Kritiker sind Neider. Und so verbringen wir wertvolle Zeit mit Grübeln und Wälzen der Probleme. Dein Netzwerk kann dabei helfen, einen ungeschminkten Blick auf die Situation zu werfen. Die Kenntnis der eigenen Bedürfnisse und deren klare Artikulation wirkt befreiend.

Verantwortung in der Führungsrolle

Wenn wir erst einmal die Opferrolle verlassen, erlangen wir beinahe automatisch Kontrolle über unsere Emotionen, unser Denken und Handeln. Damit gehen wir in Verantwortung und füllen unsere Führungsrolle aus. Wir ergreifen Initiative und vergessen dabei eigene Wünsche und Bedürfnisse nicht. Hilfreich ist es, sich auf eigene Kompetenzen zu besinnen. Mein Leitsatz: ich bin gerne schuld, denn dann kann ich selbst Dinge verändern.

Netzwerke für Führungskräfte

Menschen sind soziale Wesen. Egal wie selbstreflektiert und selbstbewusst wir sind, wir suchen nach sozialer Unterstützung, nach Verbundenheit, Wertschätzung, Austausch und Bestätigung. Leider sind die meisten Netzwerke für Führungskräfte ein reines Schaulaufen, eine Demonstration von Ego und Macht. Zu oft haben Emotionen und Schwäche keinen Platz und wir suchen vergeblich nach konstruktiver Kritik und dem liebevollen Tritt in den Allerwertesten. Der Human Leadership Circle bietet Führungskräften eine Plattform zum tiefgehenden Austausch mit Gleichgesinnten.

Zukunftsplanung

Kritiker sagen, wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Ich entgegne: wir können antizipieren. Selbst wenn das Leben vorwärts gelebt und nur rückwärts verstanden werden kann, profitieren wir im Business von Trendstudien und Frühwarn-Indikatoren. Krisen entstehen meist nicht spontan und über Nacht. Ausgangspunkt der Zukunftsplanung muss die Vision, die Mission und das Ziel sein. Diese fungieren wie ein Nordstern, der uns den Weg weist, so dass wir notwendige Ressourcen wie Zeit, Knowhow, Mitarbeitende oder Finanzen daraus ableiten können. Was brauche ich, um erfolgreich zu sein?

Welche Faktoren sind wichtig im Zusammenhang mit Resilienz?

Führungskräfte neigen dazu, Resilienz rational und planvoll anzugehen. Dabei stoßen sie an Grenzen, denn Resilienz basiert auf einer Haltung und inneren Überzeugung. Die Persönlichkeit, Werte, Antreiber und Sinn spielen genauso eine Rolle, wie Anpassungsfähigkeit, Regeneration und Kommunikation. Resilienz ist keine Tür, durch die man geht, sondern ein (möglicherweise lebenslanger) Prozess.

Resilienz entwickeln

Wir alle sind bereits deutlich resilienter, als wir uns dessen bewusst sind. Eine Lebensinventur verdeutlicht: wir haben Krankheit, Verlust und Tod erlebt und überlebt. Geplatzte Träume und Misserfolge haben uns zwar angekratzt, aber nicht gebrochen. In uns steckt also bereits eine mentale Kraft: dein Wissen, deine Erfahrungen, deine Persönlichkeit, deine Fertigkeiten waren in diesen Situationen genauso hilfreich wie Vorbilder und Menschen, die dich unterstützt haben. Leider vergessen wir diese mentalen Erfolge mit der Zeit und sollten sie uns deshalb immer wieder bewusst machen, denn darauf können wir in der nächsten Krise bauen.

Quick Tipps für mehr Resilienz

  • Akzeptiere deine Gedanken und Gefühle
  • Vertraue auf dich und deine Fähigkeiten
  • Sei dankbar für das, was du hast, sieh die Möglichkeiten
  • Setz dir Tagesziele und improvisiere flexibel
  • Frage nach Hilfe und vergleiche nicht mit anderen
  • „Will ich das wirklich?“
  • Mach Pausen, atme und genieß die Natur, lächle!
  • Erlaube dir, Fehler zu machen

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Über die Autorin

Sabrina von Nessen ist ein leidenschaftlicher Leader mit 20 Jahren Erfahrung in der Finanz- und IT-Branche. Ihre Begeisterung für Technologie hat sie in mehr als 15 Jahren als Führungskraft in gleicher Weise entdeckt und kultiviert wie die tiefgründige Leidenschaft für Emotional Leadership. Denn High Performance und damit Erfolg beginnen im Kopf des Einzelnen, dessen Emotionen und Glaubenssätzen. Ihr größtes Learning als Head of Product Management, IT oder Marketing bis zum C-Level: It all starts with „why“. Wenn Menschen erlernte Grenzen sprengen, entsteht Großartiges. Diese Überzeugung und eine große Neugier verhelfen ihr zum Erfolg beim Aufbau von Unternehmen, Teams, Strukturen und Prozessen.

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